Rollingshots leben von einem Widerspruch: Das Fahrzeug steht messerscharf im Bild, während Räder, Straße und Umgebung in Bewegung verwischen. Genau dieser Kontrast lässt ein Auto auf dem Foto fahren, statt nur dazustehen. Aufgenommen ist diese Serie auf einer Ausfahrt durch den Schwarzwald, auf einer engen Schluchtstraße mit Fels, Wald und Leitplanke als Kulisse. Mehrere Fahrzeuge waren dabei, mal einzeln, mal zwei gleichzeitig in Bewegung. Die Aufnahmen entstehen aus einem Begleitfahrzeug heraus, im eingespielten Zusammenspiel von Fahrer und Kamera. Was nach spontaner Dynamik aussieht, ist in Wahrheit sauber abgestimmte Choreographie.
Wie der Effekt entsteht
Der Trick ist die lange Verschlusszeit bei mitgezogener Kamera. Das Begleitfahrzeug fährt mit exakt gleichem Tempo wie das Motiv, sodass die Karosserie relativ zur Kamera stillsteht, während der Untergrund vorbeirauscht. Tempo, Abstand und Verschlusszeit müssen dabei aufeinander getaktet sein: zu langsam, und der Blur bleibt aus; zu schnell oder zu grob, und die Karosserie wird selbst unscharf. Die Räder sollen sich drehen, nicht einfrieren, deshalb ist die Belichtungszeit bewusst so gewählt, dass Speichen und Boden Fahrt zeigen. Jede Kurve, jeder Lichtwechsel und jede Unebenheit verändert die Rechnung neu. Ein brauchbarer Rollingshot ist deshalb selten der erste Versuch, sondern das Ergebnis vieler abgestimmter Durchgänge.
Vorbereitung und Sicherheit
Rollingshots scheitern seltener an der Kamera als an der Strecke. Vorab wird ein Abschnitt gesucht, der ruhig genug für wiederholte Durchgänge ist, eine passende Kulisse bietet und genug Übersicht für sicheres Fahren lässt. Tempo bleibt dabei im Rahmen, der die Kontrolle nie aufgibt, denn der Effekt entsteht aus der langen Verschlusszeit, nicht aus Raserei. Gefahren wird mit Abstand, mit klarer Absprache zwischen den Fahrzeugen und mit Blick auf den übrigen Verkehr. Auf der Stahlbrücke und an ruhigen Haltepunkten entstehen zwischendurch die statischen Aufnahmen, die die Fahrzeuge im Detail zeigen. Diese Vorbereitung ist der eigentliche Unterschied zwischen einem Schnappschuss und einer Serie, die im Print und auf der Marken-Präsentation bestehen kann.
Alexander Franzen, Automotive-Fotograf
Automotive | Cars | Form | Dynamik
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