Die Aufgabe: ein Corporate Design für eine Umwelt-Tech-Marke
Clebot ist eine Konzeptmarke, die im Rahmen eines Studienprojekts im Corporate Design von Grund auf entwickelt wurde. Angesiedelt ist sie im Umfeld der Gewässerreinigung und Umwelttechnik: Clebot steht für ein Unternehmen, das den verschmutzten Gewässern der Welt mit effizienter, autonomer Robotertechnik Plastikmüll entzieht und diesen anschließend zu Brennstoff recycelt. Über die reine Reinigung hinaus engagiert sich die Marke für Bildung und Forschung und verfolgt das langfristige, generationsübergreifende Ziel, ein Bewusstsein für das Problem „Plastikmüll in Gewässern" zu schaffen. Die Aufgabe war entsprechend groß gefasst: nicht ein einzelnes Logo, sondern ein vollständiges Corporate Design, das von der ersten Idee über die Analyse und die Gestaltung von Logo, Farbe, Schrift, Bildsprache und Keyvisual bis zu einem verbindlichen Handbuch reicht. Der Anspruch dabei war, dass die Marke auf jedem Träger, ob Visitenkarte, Briefbogen oder großformatigem Plakat, sofort wiedererkennbar bleibt und einen professionellen, in sich stimmigen Gesamtauftritt ergibt.
Konzeption
Mindmap, Personas, Wettbewerbsanalyse, Markenkern
Erarbeitung
Logo, Farbe, Typografie, Bildsprache, Keyvisual
Finalisierung
Piktogramme, Anwendungen, CD-Manual
Der Markenkern: Müll wird zu Energie
Bevor eine einzige Form entstand, wurde der Markenkern präzise formuliert, denn er trägt jede spätere Gestaltungsentscheidung. Clebot sagt der Verschmutzung der weltweiten Gewässer den Kampf an, sammelt mithilfe effizienter, autonomer Roboter Plastikmüll ein und wertet ihn zu Brennstoff auf, statt ihn nur zu entsorgen. Dieser Gedanke der Aufwertung, aus Abfall wird Energie, ist der emotionale und inhaltliche Dreh- und Angelpunkt der Marke und taucht später in mehreren Gestaltungsentscheidungen wieder auf. Ebenso wichtig war eine bewusste Abgrenzung: Clebot versteht sich ausdrücklich nicht als klassische, gemeinnützige Umweltorganisation, sondern als zukunftsorientiertes Unternehmen, das seine Zielgruppe und potenzielle Kunden mit einem hochwertigen Auftritt langfristig binden möchte. Aus dieser Haltung ergab sich die gestalterische Marschrichtung: nicht auf Betroffenheit und Mahnung zu setzen, sondern auf Innovation, Professionalität und einen Auftritt, der Lust auf die Zukunft macht.
- 3
- Logo-Varianten
- 2
- Hausfarben
- 5
- Piktogramme
Analyse: Mindmap, Personas und Wettbewerb
Die Konzeption begann mit einer breiten Recherche, die dem Entwurf ein Fundament geben sollte. Eine ausführliche Mindmap fächerte das gesamte Themenfeld auf und verband die Pole Robotik und künstliche Intelligenz, Natur, Wasser und Kreislauf sowie die Symbolik einzelner Tiere miteinander. Zwei Personas machten die Zielgruppe greifbar: Lisa, 24, zahnmedizinische Fachangestellte aus dem neo-ökologischen Milieu, die sich für alternative Ernährung, Yoga und Upcycling interessiert, sowie Michael, 47, Content Creator und Fotograf aus dem expeditiven Milieu, der sich ehrenamtlich im Bereich Ocean Care engagiert. Parallel entstanden eine umfangreiche Logosammlung und eine detaillierte Wettbewerbsanalyse, die reale Akteure jeweils nach USP, Angebot und Corporate Design gegenüberstellte, von Robotik-Unternehmen wie Clearbot, RANMARINE, Boston Dynamics und Locus Robotics bis zu Organisationen wie WWF, NABU, 4Ocean und Healthy Seas. Dabei trat ein deutliches Muster zutage: Nahezu die gesamte Branche tritt in Blau- und Türkistönen mit serifenloser Schrift und heller Bildwelt auf, ein Meer aus einander sehr ähnlichen Auftritten, in dem sich kaum jemand wirklich abhebt.
Aus Abfall wird Energie.
Die Positionierung: bewusst gegen den Strom
Genau aus dieser Erkenntnis wurde die Leitidee der Marke abgeleitet. Wenn die halbe Branche blau ist, dann fällt eine Marke am stärksten auf, indem sie es bewusst nicht ist. Clebot setzt deshalb gezielt auf Kontraste, auffällige Farbakzente, eine emotionale und helle Bildsprache sowie eine markante Typografie, statt sich in der üblichen Türkis-Sachlichkeit einzureihen. Diese Entscheidung ist mehr als eine ästhetische Laune, denn sie übersetzt den Markenkern, also Innovation statt Betroffenheit und Unternehmen statt Hilfsorganisation, unmittelbar in eine sichtbare Haltung. So wird aus einem an sich ernsten Umweltthema eine hochwertige, wiedererkennbare Marke mit echtem Identifikationsfaktor. Sie sticht aus der Masse heraus, bleibt im Gedächtnis und lädt Menschen dazu ein, sich mit ihr zu identifizieren, anstatt einfach im Strom der grün-blauen Nachhaltigkeitsauftritte mitzuschwimmen.
Das Logo: eine geometrische Welle
Die Bildmarke des Logos zeigt eine minimalistische, stark reduzierte Welle des Ozeans. Sie wurde nicht frei gezeichnet, sondern über ein Raster geometrisch konstruiert, was ihr eine ruhige, technische Präzision gibt, die zum Robotik- und Technologiekern der Marke passt. Zwei Gestaltungsentscheidungen machen sie unverwechselbar: die durchgehend abgerundeten Kanten, die der strengen Geometrie Wärme und Zugänglichkeit verleihen, und die Teilung der Welle in zwei ineinandergreifende Elemente, die Bewegung und Kreislauf andeuten. Damit die Marke in jedem Kontext zuverlässig funktioniert, wurde das Logo vollständig durchdekliniert: in einer vierfarbigen Fassung, in Schwarz-Weiß, als invertierte Positiv-Negativ-Variante und mit einem klar definierten Schutzraum. So bleibt das Zeichen von der Visitenkarte bis zum Plakat und von der kleinsten bis zur größten Anwendung sauber lesbar und gleichermaßen stark.
Die Farbwelt: Orange statt Blau, Grau statt Schwarz
Die Farbwelt ist der sichtbarste Ausdruck der Positionierung. Als Primärfarbe dient ein kräftiges Orange (#ea5c37, Pantone 7417), das für Kreativität, Lebendigkeit und Freude ebenso steht wie für Energie, Wärme und Vitalität und damit die zentralen Werte des Unternehmens verkörpert. Es ist die bewusste Gegenfarbe zum allgegenwärtigen Branchen-Blau und sorgt schon für sich genommen für Aufmerksamkeit. Als Sekundärfarbe wurde bewusst kein reines Schwarz gewählt, sondern ein dunkler Grauton (#3c3c3b): Clebot distanziert sich damit sichtbar vom harten Vollschwarz, weil das Unternehmen den Plastikmüll nicht als etwas rein Negatives begreift, sondern als Ressource, die Herausforderungen und zugleich Chancen enthält. Dass eine Farbe, die auf den ersten Blick nur eine Nuance ist, inhaltlich so genau begründet wird, zeigt, wie eng Gestaltung und Markenkern hier verzahnt sind. Beide Hausfarben sind zusätzlich als Verlauf angelegt, das Orange von 35 auf 100 Prozent Deckung und das Grau von 75 auf 90 Prozent Schwarz, jeweils in einem Winkel von etwa minus 26,7 Grad, was dem Auftritt Tiefe und eine moderne, dynamische Anmutung gibt.
Pantone 7417 C
Orange
Primärfarbe: Energie, Wärme, Kreativität
Pantone Black C
Dunkelgrau
Sekundär: Müll ist Ressource, nicht nur negativ
Typografie und Bildsprache
Auf der Schriftebene sorgt ein bewusster Kontrast für Charakter. Überschriften trägt die markante Slab-Serif Odudo Slab in den Schnitten Bold für Headlines und Semi Bold für Subheadlines, deren kräftige, kantige Serifen dem Auftritt Haltung und Selbstbewusstsein geben, während Fließtexte in der ruhigen, gut lesbaren Greycliff CF Medium gesetzt sind, ergänzt um Greycliff CF Bold Oblique für Auszeichnungen. Dieses Zusammenspiel aus markanter Headline und sachlichem Textbild spiegelt die Doppelnatur der Marke, auffällig und seriös zugleich. Die Bildwelt ist klar in zwei Bereiche unterteilt. „Personen und Entwicklung" arbeitet mit cleanen, hochwertigen Bildstilen, die Emotion, Reinheit und Wertigkeit vermitteln und den technologischen wie menschlichen Fortschritt zeigen. „Natur" rückt dagegen sauberes Wasser und Gewässer in der Totalen in ihrer intakten Umgebung in den Vordergrund. Eine strenge inhaltliche Regel begleitet die Bildsprache: Es wird niemals Vermüllung gezeigt, und Lebewesen werden möglichst gar nicht abgebildet, damit die Marke durchgehend Reinheit und Lösung kommuniziert und nicht Problem und Schuld.
Das Keyvisual: eine bewusste Kehrtwende
Als verbindendes gestalterisches Element sollte ein Keyvisual entstehen, und der erste Ansatz war ein Muster aus abstrahierten Wassermolekülen, das als flächiges Pattern über die Anwendungen laufen konnte. In der Erarbeitung stellte sich jedoch heraus, dass dieses Muster in der Praxis nicht hielt, was es versprach: In breiterer Anwendung wirkte es unruhig und überladen und geriet, ähnlich aufgebaut wie das Logo selbst, in eine zu starke Konkurrenz zur Wort-Bild-Marke. Statt dem Auftritt zu dienen, lenkte es von ihm ab. Deshalb fiel eine bewusste Entscheidung, den bereits ausgearbeiteten Pattern-Ansatz wieder zu verwerfen. An seine Stelle trat eine ruhigere Lösung: Die Bildmarke selbst übernimmt in der Bildsprache die Rolle des Keyvisuals und schafft Wiedererkennung, ohne mit sich selbst zu konkurrieren. Gerade diese Kehrtwende gehört zu den lehrreichsten Momenten des Projekts, weil sie zeigt, dass zu einem guten Corporate Design auch der Mut gehört, etwas Fertiges wieder zu streichen, wenn es dem Ganzen nicht dient.
Piktogramme und Anwendungen
Damit die Marke auch in kleinen, funktionalen Einheiten spricht, wurde ein Satz Piktogramme entwickelt, der konsequent die Formsprache der Bildmarke aufnimmt. Sie sind vollflächig und einfarbig gehalten und leben von demselben charakteristischen Wechsel aus weichen Rundungen und kantigen Abschlüssen, sodass sie wie selbstverständlich zum Logo gehören. Thematisch decken sie die Kernbegriffe der Marke ab, darunter Energie, Recycling, Entwicklung, Nachhaltigkeit und Wasser, und dürfen ausschließlich in den Hausfarben oder als Negativ-Variante erscheinen. Zusammengeführt und verbindlich geregelt wird all das in einem durchgehend gestalteten CD-Manual, das Logo, Farbe, Typografie, Bildsprache, Keyvisual, Piktogramme und Layoutprinzip dokumentiert. Damit das Design nicht im Handbuch stecken bleibt, wurde es auf konkrete Anwendungen gebracht: Visitenkarte, Briefbogen und großformatiges Plakat wurden gestaltet und in mehreren Varianten durchgespielt, bis Aufteilung, Typografie und Farbeinsatz auch im realen Format überzeugten.
Was steckt in einem vollständigen Corporate Design?
Ein vollständiges Corporate Design ist weit mehr als ein Logo. Es beginnt mit einer gründlichen Analyse aus Markenkern, Personas und Wettbewerbsbetrachtung, aus der eine klare Positionierung abgeleitet wird. Darauf bauen die sichtbaren Bausteine auf: ein vollständig durchdekliniertes Logo, eine definierte Farbwelt mit inhaltlicher Begründung, ein abgestimmtes Schriftsystem aus Headline- und Textschrift, eine geregelte Bildsprache, ein Keyvisual und ein Satz Piktogramme. Verbindlich zusammengehalten wird alles von einem CD-Manual, und erst die Übertragung auf reale Anwendungen, von der Geschäftsausstattung bis zum Plakat, zeigt, ob das System in der Praxis trägt. Das Projekt Clebot durchläuft genau diese Kette von der ersten Mindmap bis zur fertigen Anwendung. Es schließt bewusst auch die Erfahrung ein, dass gutes Design manchmal bedeutet, einen bereits eingeschlagenen Weg wie das ursprüngliche Keyvisual wieder zu verlassen, wenn er dem Ganzen nicht dient.
Team
- Konzept, Design und Umsetzung:
- Alexander Franzen
- Marke:
- Clebot (Konzeptmarke, Studienprojekt Corporate Design)
- Bildsprache (Stockfotografie):
- Dmytro Drobot, Adobe Stock
- Bildsprache (Stockfotografie):
- K. Mizuno, Pexels
- Mockups:
- mockups-design.com
Alexander Franzen, Grafik- und Webdesigner
Marken | Web | Print | Gestaltung
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