Nachmittag im Wankdorf
Lange bevor der erste Ball rollte, lag mildes Nachmittagslicht über dem Stadion Wankdorf. Während sich beide Mannschaften aufwärmten, sprach vieles für die Gastgeberinnen: Die YB Frauen waren als Tabellenfünfter in den Spieltag gegangen, Yverdon Sport Féminin dagegen als noch punktloser Aufsteiger. Trainerin Imke Wübbenhorst setzte auf eine offensive Grundordnung mit Ramona Bachmann, Malaurie Granges und Maja Jelčić in vorderster Front. Auf der Gegenseite vertraute Arnaud Vialatte auf eine kompakte, tief gestaffelte Ordnung. In den ersten Minuten fanden die Westschweizerinnen sogar etwas besser in die Partie, ehe die Bernerinnen das Kommando übernahmen.

Jelčić trifft, der Ausbau bleibt aus
Die Führung in der 23. Minute trug die Handschrift der Berner Offensive. Nach Vorarbeit von Wibke Meister über die rechte Seite blieb Maja Jelčić im Strafraum cool und schob zu ihrem ersten Saisontor ein. Es war der verdiente Lohn für eine Phase, in der YB den Aufsteiger tief in dessen Hälfte gedrückt hatte. Kurz darauf lag das 2:0 in der Luft, doch ein Treffer von Malaurie Granges zählte wegen einer Abseitsstellung nicht (laut nau.ch). Statt nachzulegen, verpassten es die Gastgeberinnen, ihre Feldüberlegenheit in weitere Tore umzumünzen. So blieb es bis zur Pause bei der knappen Führung, obwohl ein deutlicherer Vorsprung an diesem Nachmittag durchaus möglich gewesen wäre.

Ein umkämpftes Spiel ohne zweites Tor
Auch nach dem Seitenwechsel blieben die YB Frauen spielbestimmend, ohne die Partie endgültig in ihre Richtung zu lenken. Imke Wübbenhorst brachte mit Lisa Josten zusätzliche Offensivkraft, doch die hochkarätigen Gelegenheiten zum 2:0 blieben ungenutzt. Yverdon verteidigte mit viel Einsatz, warf sich in die Berner Abschlüsse und hielt sich so im Spiel. Mit jeder vergebenen Möglichkeit wurde das Heimteam ungeduldiger, die Zweikämpfe härter und die Räume enger. Weil der zweite Treffer nicht fiel, blieb der Aufsteiger bis zum Schluss in Schlagdistanz. Genau das sollte sich für die Gastgeberinnen noch rächen.
Die Jokerin bestraft die YB Frauen
In der 81. Minute kam, was sich über weite Strecken angedeutet hatte, und es geschah auf sehenswerte Art. Maeva Sogan, erst gut eine Viertelstunde zuvor eingewechselt, nahm ein Zuspiel von Laura Tufo weit außerhalb des Berner Strafraums auf. Aus einer eigentlich harmlosen Position drehte die Angreiferin auf, ließ im Dribbling zwei Gegenspielerinnen aussteigen und schlenzte den Ball von der Strafraumkante ins lange obere Eck, nah am Winkel. Für Sogan war es das erste Saisontor, für Yverdon Sport Féminin zugleich der erste Punktgewinn in der höchsten Schweizer Spielklasse. So schön der Treffer anzusehen war, so bitter war aus Berner Sicht sein Zeitpunkt, denn das 1:1 fiel in einer Phase, in der YB die Entscheidung längst hätte herbeiführen müssen. Die späte Ernüchterung war den Gastgeberinnen deutlich anzusehen.

Einordnung
Unterm Strich fühlte sich das 1:1 für die YB Frauen an wie ein verschenkter Sieg: Das Team von Imke Wübbenhorst war über 90 Minuten das bessere, scheiterte aber an der eigenen Chancenverwertung. Für den Aufsteiger Yverdon Sport Féminin war der Punkt dagegen ein Achtungserfolg, der Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben dürfte. Dass es in der AXA Women’s Super League auch deutlich zugehen kann, hatte kurz zuvor der klare Heimsieg des Grasshopper Club Zürich gegen den FC Rapperswil-Jona gezeigt. Frauenfussball ist auf alx-design.de ohnehin ein fester Bestandteil, zuletzt etwa beim Testspiel zwischen dem FC Winterthur und FF Toggenburg.

Ein Sieg lag greifbar nah. Geblieben ist ein Punkt und die Erkenntnis, zu viele Chancen liegen gelassen zu haben.
Bilder vom Spiel
Die folgende Galerie zeigt den Nachmittag im Wankdorf aus nächster Nähe: vom Aufwärmen und dem Einlauf beider Teams über die Zweikämpfe bis zum Jubel nach dem Berner Führungstor. Die YB Frauen traten in Gelb-Schwarz an, Yverdon Sport Féminin im dunklen Auswärtstrikot.
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