Europacup-Auftakt gegen Budapest
Für den VC Kanti Schaffhausen begann die Europacup-Saison mit einem Heimspiel in der ersten Runde des CEV Challenge Cup. Das Los hatte den Schaffhauserinnen schon im Juli Újpesti TE zugeteilt, und wie die Schaffhauser Nachrichten damals festhielten, ist es erst das zweite Europacup-Duell des Vereins mit einem Klub aus der ungarischen Hauptstadt. Im Dezember 2013 hatte sich der VC Kanti gegen Vasas Budapest durchgesetzt. Beide Teams kamen mit einer weißen Weste in die BBC Arena: Laut Hunvolley hatten sowohl die Schaffhauserinnen als auch Újpesti TE ihre ersten drei Meisterschaftsspiele gewonnen. Der VC Kanti war in der Vorsaison Schweizer Vizemeister geworden, die Gäste hatten sich als Vierte der ungarischen Extraliga für den Europacup qualifiziert. An den Seitenlinien standen sich Nicki Neubauer und der Argentinier Alejandro Altamirano gegenüber.

Unterschätzt wurden die Schaffhauserinnen in Budapest nicht. Kapitänin Eszter Nacsa-Pekárik hatte schon im September gegenüber der Nemzeti Sport klargemacht, was sie von diesem Los erwartete (Übersetzung aus dem Ungarischen mittels KI):
„Das Weiterkommen ist auf jeden Fall unser Ziel, aber gegen eine Schweizer Klubmannschaft kann man nicht auf Nummer sicher gehen. Ich bin sicher, dass wir hart um das Weiterkommen kämpfen müssen.“
Vier Punkte am Stück zum Satzgewinn
Den ersten Punkt holten die Gäste, danach übernahm der VC Kanti Schaffhausen die Initiative. Nach dem 6:6 zogen die Gastgeberinnen mit fünf Punkten in Folge auf 11:6 davon. Újpesti TE antwortete mit einer eigenen Serie von sechs Punkten und lag plötzlich vorn. Danach wechselten sich beide Teams mit kurzen Läufen ab, bis beim 21:21 alles offen war. Genau in diesem Moment zeigte sich zum ersten Mal, was den Abend prägen sollte: Die Gäste holten die letzten vier Punkte und gewannen den Satz mit 25:21. Die CEV-Statistik weist für diesen Durchgang drei Blockpunkte für Újpesti TE aus, der VC Kanti kam auf einen.

Der VC Kanti schlägt zurück
Im zweiten Satz fand der VC Kanti Schaffhausen besser ins Spiel. Die Annahme stand jetzt sicher, laut CEV-Statistik brachten die Schaffhauserinnen 78 Prozent der gegnerischen Aufschläge positiv zum Zuspiel. Damit lief auch der Angriff: 15 von 24 Angriffen fanden in diesem Durchgang den Boden. Lange blieb es trotzdem knapp, beim 15:14 lag das Heimteam nur einen Punkt vorn. Dann gelang die Serie, die den Vorsprung auf vier Punkte wachsen ließ, und diesen Abstand gab der VC Kanti nicht mehr her. Mit 25:21 stand es 1:1 nach Sätzen, und das Spiel war wieder offen.

Wenn der Ball an die Hallendecke fliegt
Für den VC Kanti Schaffhausen war es das erste Spiel unter dem vollständigen Paket neuer Testregeln. Der Weltverband FIVB hatte die Änderungen im Februar für die internationale Saison 2026 freigegeben. Ende September entschied der CEV laut Swiss Volley überraschend, alle getesteten Regeln schon in den laufenden Europacup-Wettbewerben anzuwenden. In der NLA gelten dagegen nur zwei Anpassungen, die Swiss Volley bereits vor dem Saisonstart übernommen hatte. Für die Schaffhauserinnen bedeutete der Europacup damit einen Regelwechsel mitten in der Woche. Ob das auf dem Feld eine Rolle spielte, lässt sich von außen kaum sagen, sichtbar wurden die Änderungen aber durchaus.
Am auffälligsten war die neue Regel zur Hallendecke. Mehrfach schlugen die Angreiferinnen beider Teams so hart zu, dass die Liberas den Ball in der Feldabwehr erst knapp über dem Boden erreichten. Der abgewehrte Ball schoss dann steil nach oben und prallte gegen die Decke. Nach dem bisherigen Regelwerk wäre der Ballwechsel damit vorbei gewesen, denn ein Ball, der die Decke berührt, gilt laut Regel 8.4.2 als „aus“. Nach der neuen Testregel läuft das Spiel weiter, wenn die erste oder zweite Berührung an die Decke geht und der Ball danach auf der eigenen Seite spielbar bleibt. Prallt er dagegen ins gegnerische Feld, ist es ein Fehler. In der BBC Arena verlängerte das gleich mehrere Ballwechsel, die nach altem Recht längst entschieden gewesen wären.

Weniger sichtbar, aber ebenfalls neu: Die aufschlagende Mannschaft darf sich beim Service frei aufstellen, während die annehmende Mannschaft nur noch bis zum Beginn der Aufschlagbewegung in ihrer Rotationsordnung stehen muss. Bei Finten und gelegten Bällen schauen die Schiedsrichter laut Swiss Volley genauer hin, erlaubt ist nur noch ein sehr kurzer Ballkontakt, geschobene oder geführte Angriffsbälle gelten als Fehler. Diese beiden Punkte gelten auch in der NLA. Nur im Europacup kommen acht statt sechs Wechsel pro Satz hinzu sowie ein erweitertes Challenge-System, bei dem Teams eine strittige Aktion schon während des Ballwechsels markieren können. Für das Publikum bleibt vor allem die Deckenregel hängen, weil sie Ballwechsel verlängert, die man schon verloren glaubte.
Der Bruch im dritten Satz
Den Schwung aus dem Satzausgleich konnte der VC Kanti nicht mitnehmen. Újpesti TE startete mit vier Punkten in Folge in den dritten Durchgang. Die Schaffhauserinnen kämpften sich zwar auf 4:5 heran, liefen danach aber ständig einem kleinen Rückstand hinterher. Beim 12:15 war noch alles möglich, dann zogen die Gäste mit einer langen Serie bis auf 12:23 davon. Es war die einzige Phase des Abends, in der Újpesti TE dem VC Kanti wirklich enteilte. Die CEV-Statistik zeigt, wo es hakte: Nur 12 von 38 Schaffhauser Angriffen fanden in diesem Satz den Boden, drei blieben im Block hängen. Mit 16:25 ging der Durchgang klar an die Gäste, bei denen Diana Akopova nun am Netz den Ton angab.

Sechs Punkte, die das Spiel entschieden
Der vierte Satz begann wie gemalt für den VC Kanti Schaffhausen. Mit vier Punkten in Folge gingen die Gastgeberinnen in Führung, doch Újpesti TE drehte den Spielstand rasch zum 4:6. Was folgte, war die intensivste Phase des Abends, mit wechselnden Führungen und Ballwechseln, in denen beide Abwehrreihen immer wieder Bälle vom Boden kratzten. Beim 14:12 lag der VC Kanti noch vorn, und ein fünfter Satz schien greifbar. Dann kam der Moment, der das Spiel entschied: Sechs Punkte in Serie brachten die Gäste mit 18:14 in Front. Die Schaffhauserinnen gaben sich nicht auf und kamen noch einmal heran, doch beim 21:24 hatte Újpesti TE drei Matchbälle. Gleich der erste saß zum 25:21.

Einordnung: enger, als das Ergebnis sagt
In Ungarn las sich das Spiel anders. Die Nemzeti Sport schrieb von einem selbstbewussten Auswärtssieg, Hunvolley von einem nach dem Gesamtbild verdienten 3:1. Aus der Halle betrachtet war es ein Kampf auf Augenhöhe, und die offizielle Matchstatistik des CEV stützt diesen Eindruck. Der VC Kanti Schaffhausen schlug mit zehn Assen sogar eines mehr als die Gäste und brachte 64 Prozent seiner Annahmen positiv zum Zuspiel, Újpesti TE nur 49 Prozent. Den Unterschied machte das Netz: Die Gäste verwerteten 47 Prozent ihrer Angriffe, der VC Kanti 40 Prozent, und im Block stand es 10:3 für Újpesti TE. Allein Eszter Nacsa-Pekárik erzielte sieben Blockpunkte.
Beste Punktesammlerin des VC Kanti Schaffhausen war Ava Palm mit 18 Punkten, gefolgt von Mia Soerensen mit 15, die die Hälfte ihrer Angriffe verwertete. Libera Isabella Loffreda hielt mit 21 Annahmen, 76 Prozent davon positiv, die Schaffhauser Abwehr zusammen. Bei den Gästen standen hinter Diana Akopova mit 21 Punkten noch Tamara Miljevic (16), Sarah Cruz und Eszter Nacsa-Pekárik (je 14). Diese Breite im Angriff gab Újpesti TE in den knappen Phasen den entscheidenden Vorteil. Vier Spielerinnen mit 14 oder mehr Punkten machten es für den Schaffhauser Block schwer, sich auf eine Angreiferin einzustellen. Die Zahlen bestätigen damit das Bild aus der Halle: Das 1:3 war kein Klassenunterschied, sondern eine Frage weniger Ballwechsel. Nach dem Schlusspfiff wurden Ava Palm und Tamara Miljevic als beste Spielerinnen ihrer Teams geehrt.
Alles offen für das Rückspiel in Budapest
Entschieden ist das Duell noch nicht. Nach den neuen Bestimmungen zählt im Europacup nur noch, wer ein Spiel gewinnt, nicht mehr das Satzverhältnis. Gewinnt der VC Kanti Schaffhausen am 4. November in Újpest, egal mit welchem Ergebnis, fällt die Entscheidung in einem Golden Set direkt im Anschluss. Der Sieger des Duells trifft in der nächsten Runde auf Franches-Montagnes oder ORT Novo Sarajevo, es könnte also sogar ein Schweizer Duell folgen. In der Meisterschaft hatte der VC Kanti die Saison mit einem klaren 3:0 gegen Raiffeisen Volley Toggenburg eröffnet, nachdem er im Frühjahr bis ins Playoff-Finale gegen Viteos NUC vorgestoßen war. Europäisches Volleyball hatte die Region zuletzt im Juni erlebt, als die Schweizer Nationalmannschaft in Kriens Österreich bezwang.

Häufige Fragen
Quellen
Confédération Européenne de Volleyball. (2026, 28. Oktober). Match statistics: VC Kanti Schaffhausen vs. UTE Budapest, CEV Challenge Cup Women 2026/27. cev.eu.
https://www-old.cev.eu/Competition-Area/MatchStatistics.aspx?ID=87905
Nemzeti Sport. (2026, 28. Oktober). Női röplabda: magabiztos újpesti siker idegenben a Challenge-kupában. nemzetisport.hu.
https://www.nemzetisport.hu/roplabda/2026/10/noi-roplabda-magabiztos-ujpesti-siker-idegenben-a-challenge-kupaban
Hunvolley. (2026). Nagy győzelmet aratott az UTE Svájcban. hunvolley.hu.
https://hunvolley.hu/index.php/teremroplabda/nagy-gyozelmet-aratott-az-ute-svajcban
Nemzeti Sport. (2026, 16. September). Női röplabda: dobogóra pályáznak az újpestiek a bajnokságban és a kupában is. nemzetisport.hu.
https://www.nemzetisport.hu/roplabda/2026/09/noi-roplabda-dobogora-palyaznak-az-ujpestiek-a-bajnoksagban-es-a-kupaban-is
Schaffhauser Nachrichten. (2026, 16. Juli). VC Kanti Schaffhausen trifft in der Startrunde des Europacups auf Újpesti TE Budapest. shn.ch.
https://www.shn.ch/sport/volleyball/2026-07-16/vc-kanti-schaffhausen-trifft-in-der-startrunde-des-europacups-auf
Swiss Volley. (2026, 28. September). CEV trifft überraschenden Entscheid. volleyball.ch.
https://www.volleyball.ch/de/news/cev-trifft-ueberraschenden-entscheid-6b0bc38f
Swiss Volley. (2026, 1. September). Volleyballregeln: FIVB-Regeln 2025-2028 und Ergänzungen für die Saison 2026/27. volleyball.ch.
https://www.volleyball.ch/de/wissen/volleyballregeln
Volleyball World. (2026, 27. Februar). FIVB Board of Administration approves rule tests for 2026 competitions. volleyballworld.com.
https://en.volleyballworld.com/news/fivb-board-of-administration-approves-rule-tests-for-2026-competitions
Bilder vom Spiel
Die Galerie begleitet den Europacup-Abend von der beleuchteten BBC Arena über das Aufwärmen bis zu den Ehrungen nach dem letzten Ballwechsel. Der VC Kanti Schaffhausen spielte in Rot, Újpesti TE in Weiß, die Liberas in Türkis und Violett. Neben den Duellen am Netz zeigen die Bilder auch die Momente dazwischen: Auszeiten, Absprachen und den Jubel beider Teams. Alle Bilder dieser Reportage sind im Auftrag von Sports Press Photo (SPP) entstanden.
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